Falsche Freunde

Genau das ist auch meine Meinung! So sehe ich das auch! Richtig, vollkommen Richtig! – Zumindest auf den ersten Blick…

Jochen Lubig, 16. Januar 2018

Soziale Diskussion

Seit Jahrzehnten diskutieren Menschen, denen die soziale Lage ihrer Mitmenschen nicht gleichgültig ist, denen die Würde ihrer Mitmenschen nicht gleichgültig ist, egal, in welcher Situation sie sich befinden, die soziale Lage.

Seit einiger Zeit schleichem sich in Diskussionen allerdings auch Herrschaften ein, denen es ganz und gar nicht um die Würde des Menschen geht. Zumindest nicht, wenn der Mensch nicht einige Bedingungen erfüllt. »Biodeutsch« ist meist die Hauptbedingung. Dann sollten sie noch politisch auf gleicher Linie sein. Oft spielt auch noch die soziale Lage eine Rolle. Menschen am Rande der Gesellschaft werden von Sympathisanten dieser Gruppe auch gerne mal zusammengeschlagen, totgeschlagen oder verbrannt, zumdest jedoch diffamiert und ausgegrenzt.

»Es ist ein Skandal, wie mit Obdachlosen umgegangen wird« liest man öfter. Gerne auch mit dem Nachsatz »Und die Flüchtlinge bekommen die Wohnung nachgeworfen!«

Der Aussage »Für unsere Senioren in den Altenheimen wird zuwenig getan«, kann man zustimmen, schwierig wird es, wenn der Mangel an Geld für die Alten mit den angeblichen »Unsummen für Flüchtlinge« in Verbindung gebracht wird.

So geht es munter weiter. Jedes soziale Problem entstand erst, nachdem »Merkels Gäste« eintrafen – der moderne Sündenfall (wieder eine Frau!) und die erneute Vertreibung aus dem (nationalen) Paradies.

Das Verfahren
Scheinbehaptung

Die soziale Lage einer Personengruppe hat sich verschlechtert. Dies ist meist nicht der Fall. Obdachlosigkeit, schlechte Pflege, Bildungsmisere – alles altbekannte Phänomene.

Scheinkausalität

Mehr Flüchtlinge, also mehr soziale Probleme. Das ist das alte Prinzip »cum hoc ergo propter hoc« (mit diesem, folglich deswegen). Die Gleichzeitigkeit der Erhöhung der Flüchtlingszahlen und der (hier ja nur behaupteten) Vergrößerung der sozialen Probleme bedeutet nicht einen ursächlichen Zusammenhang.

Problemverlagerung

Es wird schnell klar, dass es diesen Herrschaften nicht um das angesprochene Problem geht, sondern sie dies nur als Vorwand für einen Angriff auf eine Personengruppe nutzen.

Nicht direkt klar ist, dass der Hass gegen Nichtdeutsche oft auch nicht der Kern des Problems ist. Oft geht es einfach um den Sturz (und nicht um die Stützung durch Beheben der teils gravierdenden Widersprüche) des demokratischen und rechtsstaatlichen Systems.

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