Gewerkschaftsfreie Zone (2009)

„Kollegen, wir haben alles getan, was möglich war. Wir haben 5000 Arbeitsplätze gesichert. Es tut mir Leid um jeden Einzelnen der 1000 Kollegen, die gehen müssen. Aber mehr war einfach nicht drin.

Hier endet die Geschichte – für den Betriebsrat. Hier endet die Geschichte – für die Gewerkschaft. Hier beginnt die Geschichte – für die arbeitslosen Kollegen.

Jochen Lubig, Mai 2009. Zuerst veröffentlicht im Kölner Erwerbslosen-Anzeiger Nr. 61.

Zuerst ein Jahr Arbeitslosengeld I, dann kommt Hartz IV.

Der Betriebsrat ist schon lange nicht mehr zuständig. Die Gewerkschaft auch nicht. Hier ist man auf sich allein gestellt. Kein Schutz durch Tarife, kein Streikrecht – ausgesetzt der Willkür einer Behörde, die sich z.B. Arbeitsgemeinschaft Köln nennt. Eine Organisation, die nicht dazu da ist, in „Arbeitsgemeinschaft“ mit den Betroffenen für ein menschenwürdiges Leben zu sorgen. Vielmehr eine Organisation, die die Rechte der ihr Anvertrauten mit Füßen tritt, wie nicht nur die Leser des Kölner Erwerbslosen-Anzeigers seit Jahren wissen.

Das Rückgrat der Gewerkschaften sind die Betriebsräte. Arbeitslose haben keine Betriebsräte. Arbeitslose wählen keine Delegierten und somit keine Funktionäre. Vertrauensleute gibt es für sie nicht. Betriebsräte und Gewerkschaften sind nur für die da, die in der Arbeitswelt überlebt haben. Die Aussortierten stehen außen vor.

Gewerkschaften halten sich für demokratische Organisationen. Allerdings gibt es keine Demokratie für arbeitslose Kollegen.

Gewerkschaften halten sich für kämpferische Organisationen. Allerdings kämpfen sie nicht für arbeitslose Kollegen.

Gewerkschaften verhandeln über Tarife, Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen – kurz, über Lebensqualität. Allerdings nicht für arbeitslose Kollegen.

Arbeitslose Kollegen müssen sehen, wo sie bleiben – Gewerkschaften fühlen sich für sie nicht zuständig.


Der Verfasser ist inzwischen im Erwerbslosenausschuss des Verdi-Bezirks Köln/Bonn/Leverkusen tätig.

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