Nationale Europäische Union (NEU)

Allenthalben wird von Vertretern der Neuen Rechten behauptet, die Europäische Union (EU) greife zu sehr in die Politik ihrer Mitgliedsstaaten ein. Die Forderung ist „raus aus der EU“. Der Verfasser fühlt sich jedoch weniger von der EU beeinträchtigt, als von eben dieser Neuen Rechten und einem »Bundes«-Lande im Süden.

von Jochen Lubig

Die Europäische Union beeinflusst die Gesetzgebung ihrer Mitgliedsstaaten und auch das Leben ihrer Bürger. Ich fühle mich jedoch, in Nordrhein-Westfalen (NRW) lebend, mehr von Bayern beeinträchtigt, als von der EU.

Schlage ich eine Zeitung auf, lese ich oft gleich auf der Titelseite von Vorstößen aus Bayern, die alleine dem dortigen Profilierungsdrang anlässlich der anstehenden Landtagswahlen geschuldet sind. Da geht es meist darum, was Rechtspopulisten unter Recht und Ordnung verstehen, da geht es darum, was Bayern unter dem Grundgesetz versteht und nicht zuletzt darum, was Bayern unter Christentum versteht.

All das ist mir zuwider.

Bayerische Verfassungstreue

Jeder weiß, dass die Kreuze in Amtstuben vom Bundesverfassungsgericht kassiert werden, aber auf jeden Fall erst nach der Wahl.

Jeder weiß, dass sich Bayerische Grenztruppen an das Grundgesetz halten müssen, was aber erst jedes Mal mühsam eingeklagt werden muss. (Beobachtet eigentlich der Verfassungsschutz die CSU wegen ihrer verfassungsfeindlichen Grundhaltung?)

Jeder weiß, dass die Parole »Recht und Ordnung« in Wirklichkeit eine Ordnung des Unrechts anstrebt. Aber die Sprüche wirken.

Ursache und Wirkung

Wir haben Jahrzehnte lang gehört, dass »seine Waschkraft« ein Waschmittel so »ergiebig« machte. Der Slogan ist einfach nur Unsinn. Mit gleichem Recht könnte man Bleibarren mit dem Spruch »sein Gewicht macht ihn so schwer« feil bieten. Aber dieser Unsinn wirkt.

Er wirkt auch bei mir, aber anders als von den Verfassern, oder besser gesagt: Lyrikern, gedacht. Ich habe dieses Waschmittel nie gekauft, auch nie einen Kaffee mit »Verwöhnaroma«, der mutmaßlich nach allem schmeckt, nur nicht nach Kaffee. Und ich werde nie und nimmer Bleibarren kaufen!

Nun ist es an der Zeit, Altbestände zu entrümpeln. Ich steige nicht aus der mich kaum belästigenden EU aus. Aber ich steige aus Bayern aus!

Bayern go Home!

Bayern soll heimgehen ins Reich – und zwar nach Österreich. Gerne auch unter einem bayerischen König, Ludwig der soundsovielte zum Beispiel. Solle Österreich den Wunsch verspüren, die Monarchie wieder einzuführen – bittesehr! Aber dann gleich K&K, denn Ungarn gehört inzwischen leider auch in diese Kategorie. Franz-Josef als Kaiser von Österreich, Sissi als Königin von Ungarn, oder wie die Monarchen heute auch immer heißen mögen.

Die drei Staaten schließen sich zu einer neuen Union zusammen, zur »Nationalen Europäischen Union«. Eine Union der Nationalstaaten. Nach Wiedereinführung der Monarchie können auch Polen und das Osmanische Reich beitreten. (Hat Hoch-Tief eigentlich noch die Pläne von der Bagdad-Bahn in der Schublade?)

Ich schlage einen harten Bayexit vor. Keine Aufrechnungen, keine Umstände.

Wir werden nicht das Geld zurück fordern, dass Bayern jahrzehntelang aus NRW zugeschustert bekam, auch wenn die heutige Wirtschaftslage hierzulande stark mit der in der Nachkriegszeit einseitigen Ausrichtung Bergbau zusammen hängt. Eine Zeit, in der das Ruhrgebiet der Motor Westdeutschlands war – unter dem Preis harter, oft tödlicher Arbeit, Umweltschäden für Jahrhunderte, dem Image des kohlehustenden Kumpels – für das Ziel der Vergoldung Bayerischen Hornviehs auf Bayerischem Boden war jeder Einsatz recht. Vergessen!

Wir verlangen auch keine Entschädigung für die verheerende Wirkung einer (bundesweit gerechnet) gerade einmal sechs Prozent erreichenden Splitterpartei in der bundesdeutschen Politik. Keine Entschädigung für Grundrechteabbau, Bierseidelpolitik, Amigos¹. Keine Entschädigung für jahrzehntelange Hetze aus dem Süden gegen aus noch südlicherem Süden kommenden Flüchtlinge mit der Folge von ein paar Dutzend Toten – für Deutschland muss eben (fast) jeder Opfer bringen.

Wir verlangen nur Eines von Euch, liebe Bayern:

Geht einfach weg und nehmt Euresgleichen mit!


¹ Die Tornadoaffäre hat mehr Bundeswehr-Soldaten das Leben gekostet, als Terroristen je schaffen konnten. Aber seltsam, da war das Leben der sonst gerade in Bayern so hochgeachteten Soldaten nichts wert.

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